Das Behandlungskonzept der Fachklinik für Neurologie basiert auf dem Gedanken des interdisziplinären Teams. Zu unserem Behandlungsteam gehören Pflegetherapeuten, Krankengymnasten, Ergotherapeuten, Sprach- und Schlucktherapeuten, Psychologen und klinische Neuropsychologen (GNP), Physiotherapeuten, Sporttherapeuten, Masseure und medizinische Bademeister, Diätassistenten sowie Sozialarbeiter.
Ärzte, Therapeuten und Pflegekräfte sind den jeweiligen Stationen zugeordnet und legen in den gemeinsamen Teambesprechungen individuell für Sie das Therapieziel und das Therapieprogramm fest. Durch regelmäßige (wöchentliche) Besprechungen ist gewährleistet, dass die Therapieziele und die Häufigkeit der Anwendungen im Behandlungsverlauf auf Ihre individuellen Bedürfnisse angepasst werden.
In den Neurowissenschaften ändert sich der wissenschaftliche Erkenntnisstand sehr schnell. Wir übersetzen die neuen Erkenntnisse zu Ihrem Nutzen zeitnah in den Therapiealltag. Das therapeutische Grundprinzip der neurologischen Rehabilitation ist und bleibt dabei die aktiv-übende Therapie. Diese wird ergänzt durch die medikamentöse Therapie.
Einen besonderen Schwerpunkt in unserem Behandlungskonzept bildet die Einbindung und die Mitaufnahme von Angehörigen, das so genannte "Rooming in". Unserer Erfahrung nach fördert die Mitaufnahme von Begleitpersonen den Behandlungsverlauf. Zum einen können Sie sich in Begleitung Ihrer Angehörigen sicherer fühlen. Zum anderen sind neurologische Erkrankung häufig mit einer Behinderung (z.B. einer Halbseitenlähmung) verbunden. Durch das "Rooming in" haben Ihre Angehörigen die Chance, den Umgang mit Ihrer Behinderung zu erlernen und sich unter der Anleitung von Therapeuten und Pflegekräften in die Versorgung und Pflege einarbeiten zu lassen.
Neurologische Rehabilitation
Erfolgt Ihre Aufnahme in unserer Klink in den Rehabilitationsphasen C und D oder im medizinischen Heilverfahren, werden Sie in Einzelzimmern betreut. Gleichzeitig besteht immer die Möglichkeit, eine Begleitperson mitaufzunehmen. Ihre Therapie wird zentral geplant und durch einen in der Rehabilitation erfahrenen Facharzt für Neurologie und Psychiatrie kontrolliert. Nach Möglichkeit werden schon sehr früh gruppentherapeutische Therapien eingesetzt. Dabei werden die therapeutischen Grundsäulen der Physiotherapie, Ergotherapie, Logopädie und Neuropsychologie genutzt. Weitere Informationen zu den Therapien erhalten Sie unter Therapie & Pflege.
Wesentliche Bausteine der Therapie sind darüber hinaus die Patientenschulungen zur Gesundheitserziehung, ergänzt durch balneophysikalische Maßnahmen. Außerdem steht Ihnen eine psychologische Beratung zur Verfügung, um Entspannungsverfahren zu erlernen. Auch Ihre Angehörigen können diese Beratung nutzen, um Unterstützung bei der Verarbeitung der Krankheit zu bekommen.
Patienten der Rehabilitation Phase B werden auf einer speziell ausgestatteten Überwachungsstation behandelt. Dort besteht die Möglichkeit, den Kreislauf permanent zu beobachten und eine Versorgung mit Trachealkanülen durchzuführen.
In der Abteilung arbeitet ein festes Therapeutenteam. Eine Schlucktherapeutin der Logopädie widmet sich speziell dem Trachealkanülenmanagement sowie der Behandlung schwerster Schluckstörungen. Darüber hinaus betreuen Sie zwei Schluckassistentinnen bei den Mahlzeiten und bereiten Diagnostik und Therapieeinheiten vor.
Neurologische Frührehabilitation
In der neurologische Frührehabilitation werden Patienten nach schweren traumatischen oder diffusen Hirnschädigungen im Apallischen Syndrom (Wachkoma) behandelt. Der therapeutische Behandlungsansatz stützt sich auf die Prinzipien der Basalen Stimulation. In den entsprechenden Verfahren werden alle beteiligten Mitarbeiter kontinuierlich geschult, die Behandlungsrichtlinien werden regelmäßig an den Stand der medizinischen Wissenschaft angepasst. Die Therapieevaluation erfolgt durch eine Neuropsychologin. Ein Facharzt für Neurologie und Psychiatrie sowie ein Assistenzarzt in Weiterbildung kümmern sich um die Patienten der neurologischen Frührehabilitation.
Wichtig für uns ist die frühzeitige Einbeziehung der Angehörigen. Dies gilt insbesondere bei der Behandlung des Apallischen Syndroms. Dies ist häufig verbunden mit Wahrnehmungsstörungen, bei denen sich durch die Zuwendung nahestehender Angehöriger oftmals Besserungen erzielen lassen.
Zudem soll gewährleistet werden, dass - sofern möglich - die Erkrankten nach Beendigung der Rehabilitationsmaßnahme von ihren Angehörigen zu Hause versorgt werden können. Dazu werden die Angehörigen möglichst frühzeitig in die Techniken der spezifischen Versorgung (z.B. Lagerungstechniken, Umsetzungstechniken) eingewiesen.
Neuromuskuläre Erkrankungen
Da es bei neuromuskulären Erkrankungen im Krankheitsverlauf zu Komplikationen der Atmungsorgane kommen kann, wurde in Zusammenarbeit mit der Fachklinik für Pneumologie ein spezielles Behandlungskonzept entwickelt.
Die krankengymnastische und vor allem die sporttherapeutische Abteilung wird mit Ihnen ein konsequentes Atemtraining durchführen, dessen Verlauf dokumentiert wird. Leiden Sie unter einer Sprechstörung (Dysarthrie), kann diese in der Regel durch einelogopädische Behandlung verbessert werden.
Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Abteilung Sprach- und Schlucktherapie leisten einen wesentlichen Beitrag bei der Versorgung von Personen mit Schluckstörungen. Ihre Aufgabe liegt unter anderem darin, eine entsprechende, individuell auf Ihre Schluckstörung angepasste Ernährung (Dysphagiekost) auszuwählen.
Außerdem erhalten Sie eine individuelle ergotherapeutische Beratung über eine mögliche Versorgung mit Hilfsmitteln.
Vor allem bei Personen mit der Amyotrophen Lateralsklerose (ALS) ist eine psychologische Begleitung zur Verarbeitung der Erkrankung erforderlich.
Entzündliche ZNS-Erkrankungen
Sollte bei Ihnen eine immunmodulatorische Behandlung notwendig sein, werden wir Sie noch während Ihres Aufenthaltes bei uns auf ein geeignetes Präparat einstellen und Ihnen eine Anleitung zur Selbstanwendung geben. Kommt diese Behandlung bei Ihnen nicht in Frage, werden wir Ihre Angehörigen entsprechend schulen oder eine Versorgung durch ambulante Dienste organisieren.
Zerebral bedingte Sehstörungen
Ein besonderer Schwerpunkt der klinischen Versorgung im MediClin Reha-Zentrum Reichshof ist die Diagnostik und Therapie von zerebral bedingten Sehstörungen.
Dazu zählen vor allem Gesichtsfeldausfälle und die dadurch bedingte Beeinträchtigung des Überblicks, der visuellen Exploration und des Lesens, weitere Störungen der visuellen Raumwahrnehmung, der Farbwahrnehmung, des visuellen Erkennens (visuelle Agnosien), der visuellen Aufmerksamkeit (visueller Neglect, Balint-Syndrom) sowie der kortikalen Steuerung der Blickmotorik.
Tiefe Hirnstimulation
Die Tiefe Hirnstimulation ist ein operatives Verfahren, bei dem über ein kleines Bohrloch im Schädel Elektroden in tiefe Hirnregionen implantiert und durch dünne Kabel unter der Haut mit einem Impulsschrittmacher (Generator) verbunden werden. Durch die elektrischen Impulse kann die Aktivität der krankhaft veränderten Hirnregionen positiv beeinflusst werden, was zu einer deutlichen Besserung der Beschwerden führt.
Das Verfahren der Tiefen Hirnstimulation ist seit 1995 zugelassen und mittlerweile gut erprobt. Sie wird angewandt bei Morbus Parkinson, essentiellem Tremor und Dystonie.
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